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9th Tübinger Wahrnehmungskonferenz
Friday 3rd - Sunday 5th March 2006
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Public evening lecture
Wie wirklich ist die Illusion?
Prof. Jürgen Wertheimer
Universität Tübingen
Saturday 4th March 2006 at 18:30
in the Lecture Theatre N5, Hörsaalzentrum der Naturwissenschaftlichen Institute, auf der Morgenstelle 28, D-72076 Tübingen (see map)
Paul Watzlawicks Frage nach der Realitätshaltigkeit von "Wirklichkeiten" erscheint im Lichte heutiger Erkenntnisse geradezu beruhigend. Denn wann immer am Horizont unserer postmodernen Wahrnehmung ein Horizont der Wirklichkeit aufzutauchen scheint, erweist er sich auf den zweiten Blick als neue Variante einer Simulation, einer anderen Gestalt von Virtualität. Für die Literatur, die bildende Kunst etc. ist dieser Einbruch der Erkenntnisfähigkeit nichts Neues: wo Fiktion, Imitation und Mimesis- Konstrukte die einzige Form der Wirklichkeit darstellen, ist Wirklichkeit seit je ein Produkt kognitiver bzw. emotionaler Prozesse. An diesem Abend soll an einigen Beispielen gezeigt werden, wie eine Kooperation von Natur- und Geisteswissenschaften an diesem Punkt aussehen könnte.
Ausgehend von Nietzsches Aussage, wonach "Wahrheiten Illusionen seien, von denen man vergessen habe, dass sie welche sind" (Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinn) wird die Illusion der "freien Wirklichkeitswahrnehmung" einer Revision unterzogen werden: Erinnerungen, Gedächtnisprozesse, Ich-Entwürfe, kollektiv verbindliche Normensysteme gestalten Perzeption und Erkennungs-Prozesse sowohl auf der Text- wie auf der Bildebene: kognitive wie kulturgeschichtliche Ansätze sind dabei eng verzahnt zu denken: Mentale Programme steuern sowohl Bottom-up- wie Top-down- Verarbeitungen. Zugespitzt gesagt: die Außenwelt wird weitgehend von der Innenwelt umgangen. Dies geschieht interessanterweise im Glauben daran, dass die interne Wirklichkeit ein im wesentlichen verbindliches Abbild der externen Wirklichkeit vermitteln würde. Die emotionale beziehungsweise sprachlich-begriffliche Verarbeitung beziehungsweise Simulation von Wirklichkeit geschieht in einem permanenten Wechselspiel des Vergleichens von inneren und äußeren Wirklichkeitsmodellen. Welches in einer gegebenen Situation dominiert, hängt u. a. von den oben genannten Faktoren ab. Literarische Texte spiegeln und reflektieren diese komplexen Prozesse. |
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